Hidden Track, die Geschichte

Ich war ungefähr 14 Jahre alt, als ich Chris kennenlernte. Ein Typ voller Energie, Charme, Witz und Intelligenz präsentierte sich mir.

Er versprühte unbändige Lebensfreude und Tatkraft.
Natürlich beeindruckte das einen jungen Burschen wie mich und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als mit ihm zusammen zu spielen. Gewünscht, passiert. Wir gründeten „King Size“, eine 3 Mann Rock Band, Chris schrieb die Songs, ich steuerte meine Ideen bei.
So lernte ich Schritt für Schritt in jungen Jahren das Musikertum, aber vor allem eines: Authentizität!

Diese Eigenschaft, welche heutzutage immer mehr abnimmt, alles Uniform wird, Menschen sich anpassen, um ein wenig Erfolg zu ernten, sich verbiegen um gut nutzbar zu sein. Diese Authentizität welche Persönlichkeiten von Mitläufern unterscheidet.

Chris war eine starke Persönlichkeit. Er schrieb Songs nur dann, wenn er ihren Inhalt auch spürte, es ihm ein Anliegen war, Themen zu transportieren, er fabrizierte nie inhaltslose Soundhüllen.

Leider rutschte er in die Drogenszene ab. Zur Zeit unseres Kennenlernens noch vollkommen clean, startete Chris auch eine Drogenkarriere, welche es mir nicht leicht machte, mit ihm weiter zusammen zu arbeiten. Schließlich trennten sich unsere Wege und wir verloren uns langsam aus den Augen.

Ca. 10 Jahre später,  am 27. Juni 2008, während eines Pristine Gigs am Steyrer Hauptlatz im letzten Drittel unseres Programms, glaubte ich, einen Typen, der sich genau vor mir in der 1. Reihe aufgebaut hatte, zu erkennen. Ja genau, es war Chris! Ich wurde richtig nervös, weil ich mit allem, Stromausfälle wie Saitenrisse, Verstärkerausfälle, Regen, rechnete, nur nicht mit Chris. Er stand da mit einem breiten, zufriedenem Grinsen im Gesicht und hörte  uns zu. Ich hatte Mühe den Gig fehlerlos zu beenden, ich war wirklich von Chris’s Anwesenheit überrascht.

Nach dem Konzert wartete Chris ganz artig vor der Absperrung um mit mir sprechen zu können. Es war ihm offensichtlich ein großes Anliegen. Wir verstauten noch unser Zeugs und dann konnten wir miteinander reden. Chris, schon gezeichnet von jahrelangem Drogenkonsum, war gut drauf, fing gleich von alten Disputen an zu sprechen, dass es ihm leid täte, dies und jenes gesagt, gemacht zu haben, was aber angesichts der großen Freude über unser Wiedersehen sowieso schon längst vergessen war.

Mitten im Gespräch wurde er den Wunsch los, dass ich Jimi Hendrix’s „Little Wing“ an seinem Grab spielen sollte. Ich war selbstverständlich überrascht über seinen Wunsch, aber schräg war er sowieso immer und diese Art von Lob war mir bei ihm auch nicht fremd. Wir wechselten noch einige Worte, nahmen uns vor, sich in etwa 2 Wochen wieder mal zu treffen und verabschiedeten uns. Er wiederholte seinen vorhin geäußerten Wunsch. Ich dankte Chris für seinen Besuch und riet ihm mit einem väterlichen Schulterklopfen, gut auf sich aufzupassen. Noch tagelang nach unserem Treffen musste ich oft daran denken, welche verschlungenen Wege das Leben so bietet und stand noch unter Eindruck unserer Begegnung.

Genau eine Woche nach unserem Treffen war Chris tot.

Mich traf diese Nachricht schwer. Zahllose Gedanken kreisten in meinem Kopf. Warum 10 Jahre nichts und dann so? Warum sein Wunsch nach „Little Wing“ an seinem Grab? Vorahnung? Wissen? ……

Ich werde nicht dahinter kommen was hier passierte, welche Zusammenhänge es vielleicht gibt usw. Es ist auch nicht wichtig.  Alles, was ich tun kann, ist Chris’s Wunsch nachzukommen, was mir eine Ehre ist.

Chris, ich bin stolz darauf, dich kennengelernt zu haben. Ich danke dir für einige essentielle Erkenntnisse. Ich werde auch durch mein Wirken einen Teil von dir weitergeben können.

Mach’s gut! Ich hoffe dir gefällt dein „Little Wing“.

Christoph Schatz                                      Ernsthofen, am 28.05.2009

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Chris Peter  1966 – 2008

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